Samstag, 5. Januar 2013

Access- und Serviceprofil bei Swisscom Broadband Connectivity Services

Access- und Serviceprofil verstehen

Immer wieder tauchen Fragen, bezüglich der Internetgeschwindigkeit, wie viele TV-Streams man schauen kann und ob HD möglich ist, auf.
Um diese Fragen beantworten zu können, muss man verstehen wie das Netz der Swisscom geregelt wird.
Die Grundregeln dazu sind nicht schwierig und es gibt Tools die eine Hilfestellung bieten. So kann man bereits im Vorfeld oder wenn die Leistung ungenügend ist, abklären wie viel man erwarten kann oder darf.

Serviceprofil 

Das Serviceprofil ist die Geschwindigkeit die man als Kunde bestellen kann und entspricht der maximalen Bandbreite die der Provider zum Surfen zur Verfügung stellt. Die Swisscom und Reseller bieten verschiedene Bandbreiten an. Trend der letzten Jahre ist es, diese in Bundleangebote zu packen und den Kunden so möglichst breit und einzig versorgen zu können. Das Serviceprofil kann man als Wasserschlauch betrachten. Dieser  Schlauch kann möglichst breit oder auch ein wenig dünner sein. Ob der breite Schlauch aber auch gefüllt werden kann, hängt vom Druck ab der die Swisscom erbringen kann. Hier spricht man von Best Effort.

Accessprofil

Das Accessprofil ist die höchstmögliche Bandbreite die an dem Standort auf dieser Leitung möglich ist. 
Dies wird zwischen dem DSL-Router beim Kunden und dem DSLAM dem Gegenstück der Swisscom in einer Messphase ausgehandelt. Die sogenannte Messphase dauert bis zu 2 Wochen. Daher ist es wichtig den DSL Router in dieser Zeit möglichst nicht auszuschalten oder Änderungen an der DSL Leitung vorzunehmen. In der Messphase wird die maximal mögliche Bandbreite anhand verschiedener physikalischen Faktoren ausgehandelt. Dabei kommt es nicht darauf an wie viel man bezahlt (Serviceprofil), sondern einzig auf das was die Leitung bringen kann. Kommt es später zu Störungen auf dem Anschluss kann der DSLAM diese Geschwindigkeit verringern, bis der DSL Router wieder synchronisiert! 
Das Accessprofil ist also der grösstmögliche Druck den Swisscom auf dieser Leitung bringen kann.

Das Zusammenspiel der Effektive Speed

Wer also einen dicken Schlauch hat (Serviceprofil) aber nur wenig Druck auf der Leitung (Accessprofil) wird nicht unbedingt glücklich sein. Der Effektive Speed begrenzt sich hier auf das Access Profil. Wird der Schlauch aber gefüllt, bekommt man auch die bezahlte Leistung. Der Schlauch ist aber prinzipiell so gebaut, dass zu viel Druck ihn nicht zum Bersten bringt ;)

Veranschaulichen tun dies folgende 2 Beispiele von BBCS:

Kunde A bestellt das Service Profil Max 5000/500. Er wohnt relativ weit weg von der Swisscom Zentrale. Das maximal mögliche Anschluss Profil auf dem DSLAM beträgt 3000/400 kbit/s. Somit kann auch die effektiv nutzbare Bandbreite nicht über diesem Wert von 3000/400 kbit/s liegen.


Kunde B bestellt das Service Profil Max 5000/500. Er wohnt nahe bei der Swisscom Zentrale. Das maximal mögliche Anschluss Profil auf dem DSLAM beträgt 30000/10000 kbit/s. Somit entspricht die effektiv nutzbare Bandbreite genau dem bestellten Max 5000/500.

Mein Accessprofil?

Das eigene Accessprofil lässt sich einfach ausfindig machen. Die Swisscom DSL Router werden per Default mit der privaten IP 192.168.1.1 geliefert. Via Webbrowser kann man auf http://192.168.1.1 zugreifen und die Werte unter Geschwindigkeit ablesen. Die Zugangsdaten zum Webinterface des Routers findet man im Kundencenter.
In diesem Beispiel beträgt das Accessprofil 33'000 Kbps Downstream und 10'000 Kbps Upstream.
Die Zahlen die der Router anzeigt sind sogenannte Bruttowerte. Die Werte die man in Angaben der Accessprofile sieht, sind aber Nettowerte. So ist ein Bruttowert 24'500 kbps im Downstream kein 25'000 Kbps, sondern ein 22'000 Nettowert! Vom Wert im Router sind also rund 10% abzuziehen um auf den Nettowert zu kommen. Diese Unterscheidung ist wichtig!

Sämtliche Profile sollen laut Swisscom bis Ende 2013 auf die flex flex Profile migriert worden sein. Vorteil der flex Profile ist, dass sich hier der Access selbständig herunterdrosselt, falls sich die Leitung verschlechtert und es somit keinen Ausfall der Internetleitung gibt (Syncverlust). Erholt sich die Leitung wird wieder rauf geschraubt (self-healing) Ebenfalls sichtbar sind die Profile welche durch Vectoring mal ermöglicht werden.

Was wäre möglich?

Trotz oder gerade wegen der Messphase unterscheidet sich das Accessprofil manchmal aber von dem, was eigentlich auf dieser Leitung theoretisch möglich wäre.
Die Swisscom bietet einen Produkteassistenten an, welcher die maximale Bandbreite und HD Tauglichkeit angibt. Dieser Assistent ist diesbezüglich aber weniger genau.
 Mehr erfährt man, indem man den BBCS Checker verwendet:


Dabei ist die Eingabe einer Rufnummer vorzuziehen. Wer einen Umzug plant, sollte die Rufnummer eines direkten Nachbarns eingeben. Nach der Eingabe der Telefonnummer erfährt man die theoretisch maximale Bandbreite unter Erweiterte Prüfung, ihre technische Bandbreite.

Leistung ungenügend was nun?

Möglich das man nun festgestellt hat, dass der theoretisch mögliche Access-Speed wesentlich höher ist als im Router angegeben. Dies kann natürlich direkten Einfluss auf die Services haben die möglich wären. Gerade bei Swisscom TV ist es wichtig, ein möglichst hohes Accessprofil zu erreichen. Mehr dazu aber später...
Das Access Profil wird wie bereits erwähnt zwischen DSL-Router und DSLAM ausgehandelt. Dabei kommt es auf die Leitungsqualität an. Stichworte dazu sind die Leitungslänge, Leitungsquerschnitt, Verdrillung, Störer, Klemmen, Bridge Tabs usw. Mit dem Ausbau der DSLAM's sind Installationen mit den Filtern wie sie bei jedem Router der Swisscom beiliegen oftmals absolut ausreichend. Trotzdem kann es in Grenzfällen Sinn machen, eine sogenannte BBR (Broadband Ready) Installation durch die Swisscom ausführen zu lassen. Anhand des BBCS Checkers und den Werten im Router, lässt sich abschätzen ob dies eine Verbesserung bringen würde. Man kann dies mit der Swisscom Hotline besprechen und allenfalls eine Installation durch deren Techniker ausführen lassen. Diese ist mit Fr. 195.- vergleichsweise günstig!

Detaillierter noch in diesem PDF beschrieben:

Messung des Effektiven Speeds

Denn Effektiven Speed misst man am besten mit dem Tool von CNLAB. Dabei ist zu achten, dass kein anderer Verkehr die Leitung belastet. Zudem muss die Verbindung zum Router im Optimalfall über ein Ethernet Kabel erfolgen. Die Messung über ein schlechtes WLAN kann bereits Einfluss haben. Ins besonderem sei hier auch der Swisscom TV Verkehr erwähnt, welcher die Messung beeinflussen kann.
Das Webtool von CNLAB findet sich hier: http://hsi.bluewin.ch/speedtest/
Die Messung findet innerhalb des AS der Swisscom statt. Es wird also nur der Speed innerhalb des Swisscom Netzes gemessen. Dies ist auch ein wichtiger Faktor, aber man misst so nicht die Geschwindigkeit zu externen Servern! Dies sollte man sich im Hinterkopf behalten. 

Insider: Zur Kontrolle ihres Netzwerkes setzt die Swisscom uA. eine gewisse Anzahl von fit-PC's ein, welche bei Mitarbeitern zu Hause stehen. Diese sogenannten Probes machen sporadische Messungen auf die CNLAB Messstation und einigen Referenzservern innerhalb sowie ausserhalb des Swisscom AS. Mit diesem System sollen frühzeitig Störungen erkannt werden. Ein Thema ist die Integration solcher Probes in die Software der nächsten Centro CPE Generation.


Datendurchsatz bei FTTH (Fiber)


Bei einem FTTH (Fiber) Anschluss ist zudem folgendes zu beachten. Über Glasfaser sind Geschwindigkeiten bis zu 100Mbps und ab dem 11.11.2013 mit einer entsprechenden Hardware (Internet Box (Centro Stargate) und einem entsprechendem Abo (Vivo Casa 5 Stern plus Fr. 100.- für Giga Upgrade) sogar theoretische 1Gbps im Download möglich. Allerdings ist hier für die tatsächlichen (Netto) Geschwindigkeit die entsprechende Durchsatzrate des Ethernet Protokolls zu beachten. Da man hier an die maximale Geschwindigkeit geht, sind rund 10% vom Maximum abzuziehen. Es werden also im Download höchstens Geschwindigkeiten von 94Mbps bzw. 940Mbps erreicht! Der Upload oder Download bei Speedoptionen welche nicht ans Maximum der Interfaces gehen (300/30Mbps) sind davon nicht betroffen, da man hier durch das Access Profil die Brutto/Netto Reserve noch inne hat.


Also Kinder, nicht jammern, verstehen :D


http://de.wikipedia.org/wiki/Datendurchsatz Tux0ne Hint


Weiterhin trägt bei solchen Geschwindigkeiten natürlich die entsprechende Kapazität des Netzwerkes im LAN sowie und ins besonderem im WAN und die Kapazität der Gegenstelle (Server) entscheidend zum tatsächlichen Downloadspeed bei.

Swisscom TV Mediaroom

Beim normalen Internet Traffic ist die ganze Geschichte einfach zu verstehen. Man hat das Service- und das Accessprofil. Die gegenseitige Beeinflussung habe ich bereits erklärt. Bei Swisscom TV sieht die ganze Geschichte aber ein wenig anders aus:
Das Serviceprofil begrenzt nur die Bandbreite des normalen Internet Traffics! Die Swisscom TV Streams können aber auch von einer höheren Bandbreite des Accessprofils profitieren. Daraus resultiert das Streamingpofil. So kann, sofern das Accessprofil genügend hoch ist, bereits mit einem DSL Start (Serviceprofil 2000/200 Kbps)  Swisscom TV in HD Qualität angeschaut werden. Andererseits könnte man ein Vivo Casa 5 Stern abonnieren und kein HD schauen, nur weil das Accessprofil zu niedrig ist.



Folgende Eckdaten sollte man wissen. Stand 12.08.2013:

Bandbreite eines Swisscom TV SD Streams ~3'500 Kbps
Bandbreite eines Swisscom TV HD Streams ~8'000 Kbps
min. Access Profil für 2 SD Streams 8'000/1'000 Kbps
min. Access Profil für 1 HD / 1 SD Stream 15'000/1'000 Kbps
min. Access Profil für 2 HD Streams 18'000/1'000 Kbps
min. Access Profil für 2 HD / 1 SD Stream 25'000/5'000 Kbps
min. Access Profil für 3 HD Streams 30'000/7'000 Kbps
Nehmen wir an man hat nun ein Access Profil von 33'000/10'000 Kbps und ein Swisscom Infinity Abo mit einen Service Speed von 20'000/2'000 Kbps. Würde man nun 2 Swisscom TV HD Streams und einen SD Stream schauen , so hat man als Effektiven Speed nun nur noch ~17'500 Kbps zur Verfügung.


36‘000kbps (Achtung Bruttowert) –8'000kbps – 8'000kbps – 3‘500kbps = 16‘500 kbps



 Zugegeben, dieser Fall ist nicht weiter tragisch. Aber je höher das Accessprofil ist, desto besser kann man die Swisscom TV Services benutzen und umso weniger ist der Einfluss auf die sonstige Bandbreite. Das aufgeschaltete Streamprofil ist in der STB unter Menü, Einstellungen; Allgemein, Technische Informationen, Speicherinfomationen ersichtlich.
Dabei unterscheidet man zwischen dem WAN Profil (Streamingprofil) und dem was die Box verarbeiten kann (Ingress).


Ohne Anwendung keinen Nutzen. So ist es auch hier. Hilft ein hohes Access Profil das Swisscom TV Vergnügen zu steigern, so sind hohe Downloadraten für den sonstigen Webtraffic zwar sicher nicht Leid, dienen aber primär vor allem der Bauernfängerei...

Swisscom TV 2.0



Bei Swisscom TV 2.0 werden Aufnahmen in der Cloud getätigt und werden nicht mehr auf der lokalen Festplatte, welche nicht mehr existiert gestreamt. Dies bedeutet das man unabhängig von der zur Verfügung stehenden Bandbreite eine unbegrenzte Anzahl an gleichzeitigen Aufnahmen tätigen kann.


Andererseits werden nun auch die Aufnahmen ab der Cloud gestreamt. Daher variiert die Anzahl an HD- respektive SD-Streams, die zur selben Zeit auf unterschiedlichen TV-Boxen konsumiert werden können.

Für UHD wird ein minimaler Access-Speed von 40Mbit/s vorausgesetzt!






Bandbreite 1 SD-Stream 4'000 Kbit/s
Bandbreite 1 HD-Stream 9'000 Kbit/s
Bandbreite 1 UHD-Stream 25'000 Kbit/s

Access Bandbreite Stand TV Client 1.7.3 "Sprint 21" Release 06.06.2014:
8'000 Kbit/s 0 HD, 2 SD
10'000 Kbit/s 1 HD oder 1 SD
12'000 Kbit/s 1 HD oder 1 SD
15'000 Kbit/s 1 HD oder 2 SD / 1 HD und 1 SD
18'000 Kbit/s 2 HD oder 2 SD / 1 HD und 1 SD
20'000 Kbit/s 2 HD oder 2 SD / 1 HD und 1 SD
22'000 Kbit/s 2HD oder 3 SD / 2 HD und 1 SD / 1 HD und 2 SD
25'000 Kbit/s 2 HD oder 3 SD / 2 HD und 1 SD / 1 HD und 2 SD
ab 30'000 Kbit/s 3 HD oder 3 SD / keine Einschränkung
ab 40'000 Kbit/s Freischaltung UHD


Spezialanwendungen

Neben Swisscom TV gibt es noch eine andere Spezialanwendung welche die Grenzen des Serviceprofils sprengt. Als einzig mir bekannte Applikation ist der Upload von Swisscom Online Backup nicht durch das Service Profil begrenzt. Bis auf weiteres wurde die Online Backup Lösung für Neukunden zwar sistiert. Zeigt aber als Beispiel auf, was Swisscom mit ihren Services in ihrem eigenen AS machen kann.
Denkbar ist die Erweiterung solcher Services auch für Swisscom als CDN Anbieter. Netzneutralität ade...



Kommentare:

Rezzer hat gesagt…

Hmm; Stand: neu seit 12.08.2013 mögliche Nettowerte

Habe versucht via Support ein höheres profil zu erlangen. Die wissen nichts davon,von deinem wissen!
Was nun, abwarten, bis im Rübliherbscht?

Tux0ne hat gesagt…

Chill down Bruno :)

Es bringt nichts den Support zu stressen. Das verursacht nur Fehler, wie zB. das Versenden von Centro Business Router an Privatkunden, welche sich dann wundern, wieso jetzt nicht alle Services unterstützt werden :)

Das Profil wird angehoben sobald es dafür Zeit ist...
Ich habe bis jetzt auch noch kein <70er live gesehen. Ich kann mir vorstellen, dass zuerst alle Profile auf flex angepasst werden müssen, bevor man solche "Brüller" auf die Leitung lässt. Auch das gute alte Telefonkabel ist als shared medium zu betrachten!

Rezzer hat gesagt…

Danke Thomas für deine Antwort, ja dan schauen wir mal was auf Kupfer noch geht bis 3.3.2014, denn nämlich habe FTTH. Und ob ich bei Swisscom bleibe ist noch nicht sicher. Den es gibt da in St Gallen schon bessere Offerten für bis zu 150.-SFr im Monat. ZB 100/100 Internet (109.-) den Rest geht noch drauf für HD TV.